Echt sein.

Unser großer Sohn kommt morgens vor dem Aufstehen immer noch eine halbe Stunde (oder Stunde, oder zwei…) in unser Bett gekrabbelt, um sich seine erste Portion Nähe, die er so sehr benötigt aber für die er meist tagsüber viiiel zu beschäftigt ist, abzuholen. Er kuschelt seinen kleinen warmen Körper zwischen uns und macht mit ein bischen Glück nochmal die Augen zu. Als heute morgen der Wecker klingelte, klimperte er mich mit seinen großen blauen Augen an und verkündete: Mama tön aus! Naja, wir wissen ja alles, wie „tön“ wir aussehen, wenn wir gerade nach einer wenig erholsamen Nacht zum ersten Mal die Augen aufschlagen… Aber diesem kleinen – großen! – Wesen ist das völlig egal. Und er sagt einfach, was er denkt.

Das ist so unglaublich faszinierend bei kleinen Kindern, dass sie jederzeit zu ehrlich sind in ihrem Verhalten. Ein Zwinkern der Augen, ein liebes Wort, ein Lächeln – alles ist zu einhundert Prozent echt, ungekünzelt, ohne die Absicht Erwartungen erfüllen zu wollen. Ein Ja ist ein Ja, ein Nein ein Nein. So einfach. So simple. Auch bei unserem Kleinen: er ist voll und ganz aufrichtig, in allem was er tut. Das strahlende Lächeln, wenn er uns sieht. Die vorgeschobene Unterlippe, wenn er Angst hat. Das Zucken des ganzen Körpers, wenn er einen Schluckauf hat. Während wir, als Erwachsene, uns viel zu oft unter Kontrolle haben, kontrollieren was wir sagen, wie wir uns verhalten, Gefühle unterdrücken, sind Kinder so wundervoll offen und ehrlich. Warum nehmen wir uns eigentlich kein Beispiel daran? Was hindert uns daran, den Vorhang fallen zu lassen und einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren, auf unseren wahren Gefühle, auf unser wahres Ich? Es muss ja nicht gleich ein völliger Seelen-Striptease sein, es reicht doch schon, einmal eine ehrliche Antwort auf die Frage „Wie geht es dir?“ zu geben – „heute nicht so gut.“ Wir sind keine Maschinen, müssen nicht perfekt sein. Wir sollten echt sein, ehrlich, aufrichtig.

Wenn es heute nicht geklappt hat, so nehme ich mir doch vor, es morgen wieder zu versuchen. Meine wahren Gefühle zeigen. Mut zu haben, vermeintliche Unzuläglichkeiten zuzugeben. Und ich werde als erstes meinem großen Sohn sagen, wie schön er morgens aussieht.

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