On writing

Ich wollte schon immer schreiben. So beginnt wahrscheinlich jeder Text eines Autors über seine Arbeit. So wie Sänger auch scheinbar nie müde werden, davon zu erzählen, dass sie schon singen, seitdem sie sprechen können. Vielleicht haben sie das Gefühl, kein guter Sänger zu sein, wenn sie erst seit wenigen Monaten oder Jahren den Wunsch haben, Menschen mit ihren Texten zu erreichen. Also greifen sie zu dieser typischen Aussage. Aber wie dem auch sei – ich wollte tatsächlich schon immer schreiben. Schon als kleines Mädchen habe ich mich am liebsten in mein Zimmer verkrochen und stundenlang gelesen, mich in eine andere Welt geträumt. Und nicht selten saß ich mit Stift und Heft bewaffnet am Schreibtisch und habe mir kleine Geschichten ausgedacht. Meistens über mich. Über mich in einem anderen Leben. Und jedes Mal dachte ich, so etwas macht kein Schriftsteller, niemand schreibt am liebsten über sich selbst. Es war die größte Hürde für mich, dass ich mir keine Charaktere ausdenken wollte, sondern mich lieber in ein fremdes, aufregendes Leben träumen wollte – es kam mir nicht wie echte Schriftstellerei vor. Und so träumte ich zwar mein Leben lang davon zu schreiben, doch getan hab ich es nie in dem Umfang, den ich mir gewünscht hätte.

Der Wunsch, am liebsten über mich, meine Erfahrungen, mein Leben zu schreiben, ist bis heute geblieben. Doch erst jetzt erkenne ich den Sinn hinter diesem Wunsch. Mein Schreiben kann helfen. Es kann mir helfen, mein Leben zu reflektieren. Denn, auch wenn das Leben aus vielen wunderschönen Momenten besteht, so gibt es auch die schrecklichen, schwierigen, brutalen Momente, über die ich in Ruhe nachdenken muss, um weiterzuleben. Über die ich schreiben muss. Es kann aber auch anderen helfen, sich in meinen Erfahrungen wiederzufinden oder, ganz im Gegenteil, das eigene Leben von meinem abzugrenzen. Ich bin überzeugt, dass wir nur wachsen und uns selbst finden können, wenn wir erfahren, wie andere Menschen leben, wie sie mit Problemen fertig werden, wie sie die Welt sehen. Wenn ich mich von dem Wunsch verabschiede, es „perfekt“ machen zu wollen, vielleicht kann ich dann meinen Beitrag dazu leisten.

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